• Details
  • Details
  • Details

Industrie 4.0 - Kollege Computer?

22.04.2015

Vom Fluch und Segen der Maschinenkommunikation

Kollege Computer - was bringt „Industrie 4.0“?

Seit der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts erleben die Menschen in der fortschreitenden Technisierung und Automatisierung den Fluch und Segen der Technik zugleich. Der Computer und die damit verbundene künstliche Intelligenz,  führen auch in der nächsten Phase zu revolutionären Veränderungen der Arbeitswelt. Im Zukunftsprojekt der Bundesregierung  „Industrie 4.0* sowie in zahlreichen Studien (z.B. „The Future of Employment“ Oxford)* werden die neue Dimensionen der Auswirkungen auf die Arbeitswelt beschrieben. Im Kern bedeutet 4.0 die Verschmelzung der virtuellen Welt der Computer und Algorithmen mit der physikalischen Welt der Maschinen und Anlagen. Maschinen und Werkzeuge organisieren sich selbst! Die Maschine wird zum gleichberechtigten Partner des Menschen – zum Kollegen. Prozesse, bei denen die Maschinenlösungen uns Menschen überlegen sind, werden zukünftig noch viel stärker von Maschinen ausgeführt. Die Entwicklung ist unaufhaltsam. Das, was zu automatisieren geht, wird auch automatisiert! Ob Google- Datenbrille, autonomes Fahren von Fahrzeugen, Roboter mit den Freiheitsgraden eines Menschen - die Digitalisierung und die Nutzung von Algorithmen bei der Arbeit haben Auswirkungen auf die Entwicklung Berufslandschaft. In maximal 15 Jahren werden schätzungsweise in Deutschland über eine halbe Million Menschen durch das selbsttätige Fahren arbeitslos. Taxi- und Brummifahrer, Piloten, Zugführer, Mitarbeiter der Flugsicherheit und weitere Verkehrsberufe werden davon betroffen sein. Und die Übergangszeiten sind kurz - maximal fünf Jahre, so die Autoren*. In der Logistikbranche wird der Aderlass besonders schmerzhaft. Für das Füllen von Paketen der Versandhändler braucht man keine Menschen. Doch auch vermeintlich sichere Berufe des Mittelstandes, wie zum Beispiel Juristen, werden von der Computerisierung nicht verschont bleiben. Schon heute existieren intelligente Computerprogramme, die bei einem Rechtsfall in Sekundenbruchteilen Gesetzestexte in Bezug auf gefällte Urteile und Prozessverläufe analysieren und Entscheidungen vorschlagen. Der Computer wird zum Richter!(?) Selbst Chirurgen bekommen im OP schon Konkurrenz durch Roboter-noch steht er daneben. Die am meisten gefährdeten Branchen finden sich neben den schon bereits erwähnten in den Callcentern, bei Versicherungen und Banken, bei Steuerberatungen und kaufmännischen Dienstleistern sowie bei vielen Verwaltungsvorgängen im öffentlichen Dienst. In der Industrie werden es vor allem Produktionshelfer sein.  Auf der anderen Seite gibt es Berufe und Branchen, die nicht so schnell der Digitalisierung „zum Opfer“ fallen. Dazu gehören alle Berufe der Fürsorge am Menschen (inklusive Betreuung, Bildung, Erziehung und Gesundheit. In den technischen Disziplinen sind dann Berufe sicher, wenn sie sich vorwiegend mit der Installation, Steuerung, Wartung und Reparatur von komplexen Systemen beschäftigen. Im Handwerk - wo überwiegend sehr individuelle Lösungen entstehen - ist die Sicherheit in seinem Beruf alt zu werden höher. Industrie 4.0 rationalisiert nicht nur Arbeitsplätze weg, es entstehen auch neue. Es sind vor allem jene, die sich mit der Konstruktion, Entwicklung, Herstellung und Service der neuen Maschinengenerationen beschäftigen. Industrie 4.0 bringt aber auch einen weiteren Anstieg der Arbeitsintensität, höhere Anforderungen an die fachlichen und persönlichen Qualifikationen der Mitarbeiter mit sich. Der Fabrikarbeiter der Zukunft – deren Anzahl schrumpft - benötigt noch mehr Wissen als heute. Für niedrig qualifizierte Menschen sind die Aussichten leider nicht rosig! Die Gesellschaft muss jetzt Antworten suchen und geben, wie sie mit den Menschen umgeht, die den erhöhten Anforderungen nicht entsprechen werden.

 Zitate:

 »In der Produktionsarbeit der Zukunft sind die Menschen stärker die Dirigenten und Koordinatoren der Fabrik. Die harte Muskelarbeit und auch einen Teil der Denkarbeit übernehmen die Maschinen«,

 Prof. Reinhart

»Wenn wir das Thema CPS in Deutschland so umsetzen, wie wir das gerade diskutieren, dann wird es dazu führen, dass wir größtenteils hochqualifizierte Mitarbeiter haben werden. Ich glaube, da braucht man sich nichts vormachen. Insbesondere dann, wenn wir es schaffen, diese Mensch-Maschine-Kooperation hinzubekommen. Wenn der Roboter noch zusätzliche einfache Tätigkeiten übernimmt, dann geht‘s für die Menschen in Richtung Qualifikation. Natürlich können wir versuchen, die  Qualifikations-hürden etwas abzuschwächen, indem man da noch entsprechend unterstützt, zum Beispiel mit Datenbrillen die Arbeitsschritte einblendet. Aber in Summe werden wir einen Anstieg des Qualifikationsniveaus, insbesondere in den Hochlohnländern, sehen und in einigen Jahren wird es keine Jobs mehr für niedrig qualifizierte Arbeiter in der industriellen Produktion geben. Das ist meine feste  Erwartung, wenn wir über einen Zeithorizont  von 20 bis 30 Jahren sprechen.«

Prof. Bauernhansl