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Persönlichkeit ist unteilbar! - Vom Wert der "guten Kinderstube".

17.08.2015
Von: Freund HRC

Gutes Benehmen – ein Auslaufmodell?

Im Zusammenhang mit Beruf und Karriere habe ich mich schon sehr oft zur Bedeutung der Persönlichkeit, dem Auftreten und der Außenwirkung eines Menschen, unabhängig von seiner Bildung oder seiner finanziellen Situation, geäußert. Mit unserer Morgentoilette, der Auswahl der Kleidung und notwendiger Accessoires werden die ersten Weichen für die angestrebte Wahrnehmung, wie uns Mitmenschen sehen sollen, gestellt. Der leitende Angestellte im Anzug, die Kosmetikerin im vollen Make-up, die „Hippen“ und „Stylischen“ zeigen den aktuellen Modetrend der jeweiligen Zielgruppe. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden! Peinlich wird die gesamte Angelegenheit nur, wenn der optische Eindruck und die Körpersprache nicht übereinstimmen. Mit Körpersprache meine ich nicht nur Mimik und Gestik sondern auch das, was man früher einmal „die gute Kinderstube“ genannt hatte. Es fällt mir dabei seit Jahren auf, dass wir z.B. mit unseren Tischsitten offensichtlich in eine Spirale des Verfalls geraten sind. Erst kürzlich war ich Gast in einem sehr guten Hotel, es war Samstagabend und  ca. 80 % neue Gäste angereist. Der Altersdurchschnitt war sehr gemischt, von 18-80 alles vertreten. Ich beobachtete die neuen Gäste, ihre Kleidung, Accessoires, ihren Gang und die Art und Weise, wie sie mit den Gegebenheiten im Restaurant und am Salatbuffet zurechtkommen. Aus diesen ersten Informationen (Außenwirkung) der Person versuchen wir häufig Rückschlüsse auf den Sozialstatus, eventuell auf den Beruf oder die Berufsgruppe zu ziehen oder reduzieren unsere Einschätzung auf die simple und sehr subjektive Tatsache, ist mir dieser Mensch sympathisch oder nicht. Unter den „Neuen“ waren sehr gut gekleidete und selbstbewusst auftretende Gäste, doch die Enttäuschung folgte auf dem Fuße. Die Männer setzten sich vor den Frauen an den Tisch, die Weingläser wurden am Kelch angefasst und nicht am Stiel und der „Beutezug“ am Salatbuffet signalisierte mit seinen überbordenden Tellern, dass hier offensichtlich Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Da hilft die teuerste goldene Rolex am Handgelenk alles nichts, wenn der Umgang mit Messer und Gabel - fest mit den Fäusten umklammert - eher an die Berufsausübung eines Steinmetzes erinnert. Auch war der Rückweg vom Salatbuffet offensichtlich so anstrengend, dass einige Gäste nach dem Hinsetzen scheinbar völlig in sich zusammenbrachen. Der aufrechte Gang durch das Restaurant muss sie wohl überfordert haben. Den Tisch erreicht sackte der Körper zusammen, der Kopf verschwand nahezu mit dem Hals zwischen den Schultern, nach vorn gebeugt und auf beiden Ellenbogen abgestützt, betrachtet man im Abstand von 20 cm zum Teller den ersten Gang. Eine Gemüsebrühe mit Frittaten ist natürlich ein Problem. Auf dem Weg vom Teller in den Mund kann einiges passieren. Folglich wandert nicht der Löffel zum Mund sondern umgekehrt. Quasi aus dem Handgelenk schüttelnd wird die Suppe in minimaler Entfernung zum Mund transportiert.Der Rest – es sieht ja keiner – einfach ausgetrunken. Bei den weiteren Gängen wurde das Trauerspiel nicht besser. Die Gabel blieb ein Spieß und der Rücken krumm. Eine aufrechte Sitzposition und der Augenkontakt zum Gegenüber – Fehlanzeige. Der richtige Umgang mit einer Serviette, die Größe der Portionen auf der Gabel, die Lautstärke der Gespräche am Tisch u.a.m.  signalisieren grundsätzlichen Nachholbedarf in punkto Tischsitten. Wenn ich manchmal sage, Persönlichkeit ist unteilbar, dann meine ich damit, dass oft die kleinen Dinge sind, woran man eine „wirkliche Persönlichkeit“ erkennt. Umgekehrt heißt dies, dass Eltern mit einer konsequenten Erziehung in diesem Kontext bedeutende Weichenstellungen für den späteren Lebenserfolg legen. Aber man kann zu jeder Zeit auch selbst etwas in dieser Richtung verbessern. Beobachten Sie sich selbst kritisch und beobachten Sie Ihre Umwelt. Sie finden tausende Ratgeber im Internet oder im Buchladen. Die entscheidende Hürde ist nur, man muss derartige Defizite an sich selbst erkennen und abstellen wollen. Im Übrigen sind mir einige Unternehmen bekannt, die bei der Auswahl von Führungskräften das gemeinsame Abendessen zum Pflichttermin machen und sehr aufmerksam verfolgen, wie sich der Bewerber insgesamt verhält. In einer Betriebskantine, wo Mitarbeiter und Vorgesetzte gleichzeitig essen, können Autorität oder eine Aufstiegschance durch falsche Essmanieren schnell verspielt bzw. beschädigt werden.