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Wenn die innere Uhr Stress bereitet.

23.08.2017

Sonntagmorgens 6:30 Uhr, um diese Jahreszeit ist es noch dunkel und wenn ich aus dem Fenster schaue, so scheint es, ich bin der Einzige, der zu dieser Zeit schon aktiv ist. Ich persönlich zähle mich selbst zu den Frühaufstehern. Nur ca. 5 % der Gesamtbevölkerung geht es ähnlich. Es gibt im Rahmen der Chronobiologie mittlerweile fundierte Aussagen zur statistischen Verteilung der jeweiligen Chronotypen. Zu welcher Gruppe man gehört, ist unabänderbar in unseren Genen (in der biologischen Uhr) verankert. Diese Uhr tickt in der Zirbeldrüse, wird durch Licht beeinflusst und entscheidet maßgeblich über die Ausscheidung des Hormons Melatonin - welches für unseren Schlaf-Wachrhythmus verantwortlich ist.

7 % der Bevölkerung gehören zu den wirklichen Frühaufstehern und haben zum Wecker kein gestörtes Verhältnis. Über die Hälfte der Menschen gehen in der Regel kurz vor Mitternacht ins Bett und schlafen bis 7:30 Uhr aus. Ein Teil davon möchte natürlich gern auch lieber bis 08:30 Uhr schlafen bzw. noch ein wenig später aufstehen. Interessant ist dabei, dass sich in unserer Entwicklung der Schlafrhythmus vom Frühaufsteher zum Spätaufsteher verschiebt. Säuglinge und Kleinkinder beginnen alle als extreme Frühaufsteher und erst in den mittleren Jahren pegelt  sich für die Mehrzahl der Normalschläfer der genetisch verankerte Chronotyp (Schlafmittelzeit bei 3:00 Uhr bis 4:00 Uhr) ein. Die Hauptschlafphase (Schlafmittelzeit) in der Pubertät und bei jungen Erwachsenen liegt bei 4:30 Uhr bis 05:30 Uhr morgens. Liebe Eltern, Lehrer und Lehrausbilder, seien Sie bitte nachsichtig, wenn sich die Begeisterung und Motivation der jungen Menschen in Grenzen hält. Sie können nichts dafür! Im Übrigen hat die Verschiebung des Schulbeginns um 1 Stunde nach hinten zu besseren Lernergebnissen bei den Schülern geführt.

Zur Gruppe der „Eulen“, mit denen man früh  am Morgen nur schwer etwas anfangen kann, gehört immerhin nahezu jeder vierte Mensch. Dagegen machen die wirklichen Nachtarbeiter, die ohne Probleme erst am frühen Morgen zu Bett gehen, nur ca. 10 % der Bevölkerung aus. Bezogen auf unsere Arbeitswelt heißt dies, dass nahezu drei Viertel der arbeitenden Bevölkerung eigentlich keine Probleme mit den normalen Arbeitszeiten haben. Anlaufschwierigkeiten am Morgen kann man ohne weiteres durch lichttechnische Maßnahmen - Tageslichtlampen mit hohem Blaulicht-Anteil und einer Lichtstärke über 2000 lx – kompensieren (zum Vergleich: Tageslicht unter Wolken 8000 lx, Lichtstärke eines Sonnentages 100.000 lx). Die Farbtemperatur der verwendeten Lampen sollte zwischen 6000 und  8000 Kelvin liegen. Es sind die Spätaufsteher, deren Tiefschlafphase werktags jeden Morgen durch den Wecker abrupt beendet wird. In der Folge summiert sich im Laufe der Woche ein Schlafdefizit, welches durch langes Ausschlafen am Wochenende ausgeglichen wird. Mit Blick auf die Arbeitswelt müssen die extremen Chronotypen bei ihrer Berufswahl bzw. bei der Eingliederung in das zeitliche Arbeitsregime sehr aufpassen, dass sie nicht gegen ihre genetische Disposition leben. Wer permanent gegen seine innere Uhr verstößt, wird überdurchschnittlich anfällig für organische Erkrankungen bzw. neigt auch zu seelischen Fehlentwicklungen bzw. zur Suchtgefahr. Depressionen, Nikotin- und/ oder Alkoholmissbrauch sind hinlänglich bekannte Folgeerscheinungen (Untersuchungen in anfälligen Berufsgruppen wie Schichtarbeiter, Flugbegleiter etc. haben dies bestätigt.) Arbeitgeber sollten auf der anderen Seite flexible Arbeitszeit- Regelungen zulassen, damit wenigstens teilweise den unterschiedlichen Chronotypen entsprochen werden kann. Nach einer Information der Süddeutschen Zeitung (2009) sollen Spätaufsteher in der Regel wohlhabender sein als die Frühaufsteher. Pech! Und ich dachte schon, es liegt an meinem Fleiß, warum ich noch kein Millionär bin!