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Yin-Yangen Sie Ihren Urlaub!

11.06.2018

Nur noch wenige Wochen und dann ist er endlich da, der Erholungsurlaub 2018!

Nur noch ­wenige Wochen und dann ist er ­endlich da, der Erholungsurlaub 2018, ­neben dem ­Automobil des Deutschen ­zweitliebstes Kind und für viele der ersehnte ­Höhepunkt des Jahres. Grund genug, sich ­diesem ­Thema aus verschiedenen ­Blickwinkeln zu nähern und auf ­aktuelle Erkenntnisse der ­„Urlaubsforschung“ ­einzugehen.

Urlaub, wie wir ihn ­kennen, ist erst 50 Jahre alt.

„Urlaub“ – rein begrifflich aus dem Mittelalter geht auf das ­mittelhochdeutsche Substantiv Urloup zurück, was so viel wie Erlaubnis bedeutete. Es war die Erlaubnis der Fürsten und Lehnsherren an ihre Ritter, für eine begrenzte Zeit an ihre Stammsitze zurückzukehren. So wie wir Urlaub heute verstehen, hat es noch viele Jahrhunderte gedauert. Mit der Einführung der industrialisierten Arbeit im 19. Jahrhundert und der damit im Zusammenhang stehenden vollkommenen Unterordnung des Menschen unter die Taktung der Maschinen und Technologien sah man sich gezwungen, dieses Thema auf die Agenda zu setzen. Zu jener Zeit mussten ­Erwachsene 16 Stunden und Kinder 12 Stunden am Tag arbeiten, 52 Wochen, 7 Tage in der Woche. Erst 1895 wurde der Sonntag im Deutschen Reich als arbeitsfrei gesetzlich verordnet. 1903 gelang es Brauerei-Arbeitern als erste Branche einen dreitägigen Urlaubsanspruch im Jahr zu erkämpfen. In der Weimarer Republik wurden dann auch für alle anderen Beschäftigten bis zu fünf Urlaubstage im Jahr zum Rechtsanspruch. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich in zahlreichen Landesverfassungen Urlaubsansprüche von mindestens zwei Wochen. Mit der Verabschiedung des Bundesurlaubsgesetzes im Jahr 1963 erhöhte dann den gesetzlichen Urlaubsanspruch auf mindestens drei Wochen. Damit ist „Der Urlaub“ ein Youngtimer und feiert 2018 erst seinen 55. Geburtstag.

Urlaub – etwas speziell Menschliches?

In Relation zu unserer gesamten Geschichte sind die bescheidenen 115 Jahre der Existenz von Urlaubstagen eigentlich zu vernachlässigen. Offensichtlich ist der Homo sapiens nicht auf Urlaub ausgerichtet beziehungsweise hatte dies die Natur während unserer gesamten evolutionsbiologischen Entwicklung so nicht vorgesehen. Die ­„Spezies Mensch“ unterscheidet sich da auch nicht von den anderen Spezies in der lebenden Welt. Rein biologisch geht es beim Urlaub in erster Linie um Erholung! Physiologisch und psychologisch sind wir so programmiert, dass wir im ständigen Wechsel von ­Anstrengung und Erholung sieben Tage in der Woche Leistungen für unsere Existenzsicherung erbringen können. Auf Phasen der Anstrengung folgt eine Phase der Erholung. Dies trifft sowohl auf körper­liche wie auch auf geistige ­Arbeit zu. Es geht um die gesunde Balance von Belastung und Entlastung oder wie ­es ­Mediziner heute sagen: Es geht um den Abbau von körper­lichem und geistigem Stress.

Urlaubsweltmeister oder Arbeitsweltmeister?

Im internationalen Vergleich der Urlaubs- und Feiertage sind wir Deutsche nur im ­Mittelfeld. Die Brasilianer als Urlaubsweltmeister gestalten ihr ­Arbeitsjahr nicht so stressig wie wir. In Europa sind es die Finnen und die Franzosen, die es besser verstehen, auch ohne Erwerbsarbeit glücklich zu sein. Anders in Asien: Dort sind die ­Urlaubsansprüche deutlich geringer und ­werden zum Teil durch einen uns ­unverständlichen Arbeitsethos freiwillig noch ­unterboten. Nach Aussagen des ­japanischen ­Arbeitsministeriums hat zum Beispiel im Jahr 2015 die Mehrheit der Beschäftigten die Hälfte ihres Urlaubs nicht genommen. Allerdings muss man hier erwähnen, dass es dafür auch attraktive ­Abfindungen in Geld pro Urlaubstag gibt. Am Ende der Skala steht das Land der „Großen Freiheit“ – die USA. Dort ist man auch frei von Rechtsansprüchen auf bezahlten Urlaub. Zehn Feiertage müssen da reichen. Einige Firmen geben freiwillig noch bis zu fünf Urlaubstage dazu. Nach einer Studie haben 42 Prozent der Amerikaner im Jahr 2014 ­keinen Urlaub genommen. Aber auch in Deutschland werden mehrheitlich nur 24,8 Tage in Anspruch genommen. Drei Tage Resturlaub bleiben pro Beschäftigter im Jahr hängen – die Gründe sind vielfältig.

Urlaub und Gesundheit

Die Einführung des bezahlten Urlaubs hatte aus der Sicht des Staates und der Unternehmen vor allen Dingen die Funktion der Erhaltung der Arbeitskraft – also eine Erholungs- und Regenerationsfunktion. Die aktuelle Urlaubsforschung kommt mit Blick auf den ­reinen Erholungswert zu ­folgenden Erkenntnissen.

  1. Von 100 auf 0 – für gefährdete Personen steigt das Herzinfarktrisiko den ersten zwei Urlaubstagen um 30 bis 50 Prozent. Lassen Sie es daher ruhig angehen und fahren Sie nicht Freitag um 16 Uhr nach der Arbeit sofort mit dem Auto nach Spanien.
  2. Ein messbarer Stress­abbau erfolgt schon nach ein bis zwei Tagen (ohne ­Anreisestress), wenn der Urlaub gut geplant ist. Aus der Vielzahl der Berufe werden wir alle unterschiedlich körperlich und geistig beansprucht. Folglich muss auch die Gestaltung des Urlaubs auf die jeweilige Person konkret zugeschnitten werden.
  3. Planen Sie Ihren ­Urlaub nach dem „Yin-Yang-­Prinzip“, finden Sie Ihre ­Balance durch ­bewusste ­Gegensätzlichkeit: ­Bei ­Arbeitslärm suchen Sie Ruhe im Urlaub. Wer am Schreibtisch sitzt, wählt aktive ­Bewegung. Bei geistiger ­Reizüber­flutung gehen Sie zum Beispiel Angeln.
  4. Dilemma Familien­urlaub: Unter den ­voran genannten Gesichtspunkten ist der Urlaub mit der ­ganzen ­Familie nur ein ­Kompromiss. In seiner ­sozialen ­Funktion für die kleine ­Gemeinschaft hervorragend – erholungs­technisch aber oft ­grenzwertig.
  5. Recht auf Individual- Urlaub: Auch ein paar Urlaubstage allein oder in einer gleich interessierten, kleinen Gruppe können sehr erholsam sein – ein kurzer Wellness­urlaub der Frauenrunde oder die ­Motorradtour der Männer­gruppe.
  6. Große Reise oder ­mehrere Kurz­urlaube? Es gibt zu dieser Frage­ unterschiedliche Auffassungen. In der Tendenz geht es aber mehr in die Richtung, mehrere kurze ­Urlaube im Jahr zu genießen. In den 80er-Jahren waren es noch durchschnittlich 18 Tage am Stück, heute werden nur noch 12 Tage zusammenhängend genommen.
  7. Aus der „Jetlag-Forschung“ weiß man, dass die ­Umstellung eines angewöhnten Biorhythmus auch negative Auswirkungen haben kann. Verändern Sie daher möglichst nicht Ihre ­innere Uhr. Vor dem Urlaub ist nach dem Urlaub und umgekehrt. ­Spätestens am ersten Arbeitstag müssen Sie wieder in ­Ihren natür­lichen Bio­rhythmus zurück.
  8. Urlaub kann auch Stress sein! Sie kennen es: beschwerliche Anreise, lärmende Unterkunft am Ort, schlechte Betten, schlechter Schlaf, Ernährungsumstellung, Zeitverschiebung, Unsicherheiten und Ängste im Ausland, Reizüberflutung, Magen-Darm-Probleme. Toi, toi, toi! Danach Urlaub vom Urlaub.

Ansichten und Konflikte

Es gibt keine gesicherte Datenbasis dafür, ob mehrere Kurzurlaube oder ein langer zusammenhängender Urlaub besser sind. Bezogen auf unsere ­anthropologische Entwicklung scheint es aber so zu sein, dass unser genetisches Erbe eher für kurze Urlaube spricht wie lange Wochen­enden oder drei Wellnesstage.

  • Nachweislich nach ein bis zwei ­Tagen erfolgt schon ein spürbarer Stressabbau.
  • Die Nachwirkung des ­Urlaubs ist besser bei denen, die täglich Ruhephasen organisieren. Eine Stunde Yoga bewirkt Wunder.
  • Sport ist im Urlaub und im beruflichen Alltag immer hilfreich für Stress­abbau und Erholung.
  • Postferiendepression – Eingewöhnung in den Arbeitsalltag ist Stress.
  • Der Erholungseffekt ­schwindet nach drei Tagen bis zu einer Woche und ist für die meisten nach drei ­Wochen nicht mehr fest­stellbar.
  • Stressfaktoren im Urlaub ­eliminieren, keine E-Mails und kein Handy sind ­wünschenswert.
  • Lange Ferien verringern kognitive Fähigkeiten der Schüler. Kreativität steigt durch Erholung, Lernfähigkeiten werden verringert.

Fazit: Urlaub sollte Ihrer Erholung dienen. ­Kürzere Erholungszyklen sind offensichtlich besser und nachhaltiger als ein langer. Diskussionswürdig wäre zum Beispiel, eine gesplittete gesellschaftliche Arbeitsverteilung nach dem Schlüssel zwei Tage arbeiten, ein Tag Ruhe oder drei Tage arbeiten, zwei Tage Ruhe. Zusätzlich bräuchte jeder Erwerbs­tätige drei bis vier Wochen zusammenhängend für die Familie, für indivi­duelle Erlebnisse und die eigene Verwirklichung wie Bildungsreise, intensive Widmung eines Hobbys oder interkulturelle Eindrücke. Wir brauchen eine gesunde Balance im Sinne: Wir arbeiten, um zu leben und leben nicht, um zu arbeiten!